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... um jedem Menschen ein Gehör zu verschaffen...


„Was bedeutet diese Mimik der Menschen um mich herum,
ihr geschürzter oder zu verschiedenen Grimassen verzerrter Mund,
ihre seltsam gestellten Lippen?

Ich konnte >>fühlen<<,
ob sie Wut, Trauer oder Zufriedenheit ausdrücken wollten,
doch die unsichtbare Mauer,
die mich von den Tönen trennte, die zu diesen Grimassen gehörten,
war einerseits aus durchsichtigem Glas, anderseits aus Beton.
Ich bewegte mich diesseits der Mauer, und die anderen jenseits."
(Emmanuelle Laborit, 1995)


In ihrer Biographie „Der Schrei der Möwe“ führt die gehörlose Autorin und Schauspielerin Emmanuelle Laborit auf eindrucksvolle Weise den Leser in die Welt der hörbehinderten Menschen und deren Familien und Angehörigen ein. In dem oben angeführten Zitat legt die Autorin einige Kernproblematiken im Alltag von hörbehinderten Menschen dar, die sie selbst erleben musste. Dieses unsichtbare Mauer, die sich hierbei zwischen Hörbehinderten und Hörenden auftut, kann dazu führen, dass gravierende Störungen im Leben miteinander, insbesondere in der gemeinsamen Kommunikation, auftreten können. Mimiken und Gesten helfen hierbei nur begrenzt Gefühle zum Ausdruck zu bringen und eine ausreichende Kommunikation zu gewährleisten. So laufen hörbehinderte Menschen Gefahr von den „anderen jenseits“ getrennt zu werden und in die soziale Isolation zu geraten.

Die von der Autorin angesprochenen Problematiken sind vielen Betroffenen und deren Familien und Angehörigen nur allzu sehr bekannt. Nicht-Verstanden zu werden trennt Menschen voneinander, was folglich zu Missverständnissen, Ablehnung, Abneigung und sogar zur Ausgrenzung führt. Dies wirkt sich zudem nachhaltig auf die kindliche Entwicklung aus und auch Folgeerscheinungen von seelischen Behinderungen können häufig bei hörbehinderten Menschen beobachtet werden. Nicht selten führen solche Zustände im Alltagsleben zu Schamgefühlen, Versagens- sowie Zukunftsängsten, die sowohl bei den Betroffenen selbst wie bei deren Familien und Angehörigen den Eindruck erwecken können, vor schier unüberwindbaren Problematiken zu stehen.
Unser gemeinnützige Verein Ohrwerk e.V. nimmt sich diesen Problemen gezielt an und unterstützt und fördert seit 1987 hörbehinderte Menschen und deren Familien und Angehörigen darin die „unsichtbare Mauer“ einzureißen ihnen ein Gehör zu verschaffen. Zehn Jahre später erweiterten wir unser Hilfeangebot durch eine stationäre Wohneinrichtung für Kinder, Jungendliche und junge Erwachsene in Gelsenkirchen und können seitdem dort eingreifen, wo ambulante Hilfen nicht mehr ausreichen. Seither werden hier im Rahmen einer intensivpädagogischen Betreuung insgesamt 7 Jugendliche und junge Erwachsene von einem pädagogischen Team in ihrem Alltagsmanagement begleitet, in ihrer individuellen Kompetenzerweiterung und Stärkenfindung gefördert und unterstützt, um ein Leben sowohl in der hörbehinderten als auch hörenden Gemeinschaft selbstbestimmt führen zu können. Um diese Ziele auch umsetzen zu können bieten wir:

- Individuelle Hilfen
- Ganzheitliche Arbeitsweise
- Gebärdenunterstützte Kommunikation
- Gruppen und Einzelbetreuung
- Schulische- und berufliche Integration und Rehabilitation
- Hausaufgabenbetreuung
- Eltern- und Angehörigenarbeit
- Alltags- und Freizeitgestaltung
- Ferienfreizeiten
- Integration in ortsansässigen Vereinen
- Zusammenarbeit mit Ärzten und Therapeuten
- Zusammenarbeit mit Hörakustikern
- Zusammenarbeit mit Schulen, Ämtern und Behörden

Mithilfe dieses umfangreichen Angebotskatalogs versuchen wir hörbehinderte Menschen und deren Familien und Angehörigen aufzufangen, in ihrer Problembewältigung angemessen zu unterstützen und (wieder) mehr zusammenzuführen. Speziell mit den Betroffenen verfolgen wir das Ziel, sie sowohl auf das Leben in der ‚hörenden und nicht-hörenden Gemeinschaft‘ vorzubereiten, damit sie selber befähigt werden die „unsichtbare Mauer“ einzureißen, sich Gehör bei ihren Mitmenschen zu verschaffen und ihr Leben nach ihren eigenen Wert- und Wunschvorstellung selbstbestimmt leben zu können.



(Copyright Ohrwerk e.V. 2012)